Mein Rückzug aus dem VdK KV Waiblingen: Eine Frage der Werte

Diese Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen. Seit Jahren habe ich mich im Sozialverband VdK, Kreisverband Waiblingen, engagiert – mit Herzblut und voller Überzeugung. Doch nun ziehe ich mich zurück. Was nach außen vielleicht wie ein plötzlicher Schnitt wirkt, ist in Wahrheit das Resultat eines langen inneren Ringens. Ich habe gründlich reflektiert und abgewogen. Am Ende steht die bittere Erkenntnis: Ich kann und will unter den gegebenen Umständen nicht länger Teil dieses Vorstands sein.
Wachsende Differenzen im Vorstand
Der Auslöser für meinen Entschluss waren zunehmende Differenzen innerhalb des Vorstands. Was einst als konstruktive Zusammenarbeit begann, verwandelte sich nach und nach in ein Spannungsfeld gegensätzlicher Auffassungen. Gerade in sozialen und politischen Fragen traten tiefe Gräben zutage. Wir hatten nicht mehr dieselben Werte. Immer öfter saß ich in Sitzungen und fragte mich: Reden wir noch über dasselbe Verständnis von Solidarität, Gerechtigkeit und Menschlichkeit?
Besonders deutlich wurde mir das in einer kleinen Vierer-Gruppe innerhalb des Vorstands, die ursprünglich dazu diente, wichtige Themen zu besprechen und die Richtung vorzugeben. Diese Gruppe war lange eine enge Steuerungseinheit – eine Art Kernteam. Doch in den letzten Treffen spürte ich, dass wir uns immer weiter voneinander entfernten. Um eine Eskalation zu vermeiden, habe ich geschwiegen. Das war vielleicht mein größter Fehler. Ich habe mich zurückgenommen, gehofft, dass sich die Dinge von selbst klären, dass Einsicht kommt – doch das Gegenteil war der Fall. Ich hätte den Mut haben müssen, früher klare Worte zu finden. Dass ich das nicht getan habe, mache ich mir selbst zum Vorwurf.
Ein besonders einschneidender Moment war die Reaktion in unserer Vierer-WhatsApp-Gruppe. Als ich schließlich deutlich machte, dass ich mit dem eingeschlagenen Kurs nicht mehr mitgehen kann, kam als Antwort nur ein lapidares „Sorry Udo.“ Kein Gesprächsangebot, keine ernsthafte Auseinandersetzung mit meinen Beweggründen – nur diese eine nichtssagende Floskel. Dieser Moment hat mir endgültig gezeigt, dass meine Stimme nicht mehr zählt. Wenn eine Gruppe, die einst auf Vertrauen und gemeinsamer Arbeit basierte, so gleichgültig auf fundamentale Differenzen reagiert, dann gibt es keinen gemeinsamen Weg mehr.
Unvereinbare Werte: Kein Platz für Rassismus
Besonders schwer wog für mich, dass ich rassistische und menschenfeindliche Tendenzen im Verband beobachten musste. Was ich da hörte und erlebte, war mit meinen Überzeugungen absolut unvereinbar. Für mich ist klar: In einem Sozialverband, der sich dem Wohl aller Menschen verpflichtet fühlt, darf kein Platz für Fremdenhass, Ausgrenzung oder Herabwürdigung sein. Doch genau solche Tendenzen schlugen mir entgegen – teils unverhohlen, teils subtil zwischen den Zeilen. Es begann bei abfälligen Bemerkungen und endete bei Aussagen, die mich fassungslos machten.
Ich hätte mir gewünscht, dass über diese Entwicklungen ein offener Diskurs möglich gewesen wäre. Doch gerade mit einer Kollegin war eine sachliche Auseinandersetzung unmöglich. Ihre rechthaberische Art ließ kaum Raum für andere Sichtweisen, und oft hatte ich das Gefühl, dass sie gar nicht an einer wirklichen Debatte interessiert war. Ein echter Austausch war nicht mehr möglich. Jede kritische Nachfrage wurde als Angriff gewertet, jede andere Meinung abgeblockt. In einem solchen Umfeld kann man keine Lösungen finden – und genau das hat meine Entscheidung, zu gehen, letztlich besiegelt.
Der Bruch mit der CDU: Als mir meine Ideale wieder bewusst wurden
Schon vorher gab es Momente, in denen ich spürte, dass ich mich nicht mehr auf dem richtigen Weg befand. Ein Schlüsselerlebnis war das Treffen im Landtag mit Gehring. Ich habe bewusst eine Ausrede gesucht, um nicht teilnehmen zu müssen, weil ich bereits zu diesem Zeitpunkt tief in mir wusste: Das ist nicht mehr mein Weg. Ich wollte mir nicht eingestehen, dass ich mich in eine Richtung bewegt hatte, die nicht mehr zu mir passte.
Dann kam der Anruf aus Urbach. Der Ton, der mir entgegenschlug, war unverschämt, respektlos und herablassend. Ich war fassungslos, dass mir gegenüber in dieser Art gesprochen wurde. Ich habe in meinem Leben viel erlebt, aber dieser Moment hat in mir endgültig etwas gebrochen. Ich wusste, dass ich mir das nicht länger antun wollte.
Doch der endgültige Wendepunkt war der „Schwarze Mittwoch“, als Friedrich Merz die Brandmauer zur AfD eingerissen hat. In diesem Moment wurde mir schlagartig bewusst, wie weit ich mich von meinen eigenen Werten entfernt hatte. Ich hatte es lange verdrängt, mich angepasst, vielleicht sogar geglaubt, dass ich mich mit konservativen Positionen arrangieren könnte. Aber in diesem Moment war es, als würde mir jemand den Spiegel vorhalten: Will ich wirklich in einem Umfeld bleiben, das sich zunehmend mit rechten Positionen arrangiert?
Und dann traf mich die wohl unangenehmste Erkenntnis: Ich hatte mich in den letzten Jahren selbst verändert – oder zumindest hatte ich es zugelassen, dass es nach außen so aussah. Ich hatte mich CDU-nah gezeigt, hatte meine eigentliche Haltung verwässert, hatte vielleicht geglaubt, Kompromisse eingehen zu müssen. Heute sehe ich das als eine der größten Peinlichkeiten meines Lebens. Ich habe mich verbogen, mich angepasst, vielleicht sogar gehofft, dass ich irgendwie einen Platz finde in einer Umgebung, die eigentlich nicht die meine war. Doch mein Herz schlägt links – und das war immer so. Ich hätte nie versuchen dürfen, das zu verdrängen.
Am darauffolgenden Sonntag im Gottesdienst fiel die endgültige Entscheidung. Während ich dort saß und nachdachte, wurde mir mit einer Klarheit bewusst, die ich lange nicht mehr gespürt hatte: Ich kann nicht bleiben. Ich will nicht bleiben. Ich werde nicht bleiben. Ich habe mein Leben lang für soziale Gerechtigkeit gekämpft, und ich werde nicht zulassen, dass meine Werte verwässert oder verraten werden.
Neuer Weg: Zurück zum DGB – Engagement auf der Straße
Ich kehre zurück zu meinen Wurzeln. Zurück zum DGB, zurück auf die Straße, um gegen soziale Ungerechtigkeit und rechte Hetze zu kämpfen. Dort, wo man Flagge zeigt für Toleranz und Menschenwürde, will ich mit anpacken. Es fühlt sich beinahe wie Heimkommen an – zurück zu einer Form des Engagements, die direkt und unverfälscht ist.
Den VdK werde ich dennoch aus der Ferne beobachten. Ich nehme mir das Recht heraus, ihn zu loben, wenn er sich für seine eigentlichen Werte einsetzt – aber auch, ihn zu kritisieren, wenn er sich von diesen entfernt.
Eins steht für mich fest: Dieser Kreisverband passt nicht mehr zu mir – und ich nicht mehr zu ihm. Mein Herz schlägt links. Meine Werte sind nicht verhandelbar. Und deshalb war dieser Schritt notwendig. Geschichten und Experteneinblicke.
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