Vom Träumer zum Realisten? – Wie sich mein Denken verändert hat

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Vom Träumer zum Realisten? – Wie sich mein Denken verändert hat

Wenn ich auf meine Haltung in den 80er-Jahren zurückblicke, merke ich, wie sehr sich meine Sicht auf die Welt verändert hat. Damals war ich Teil der Friedensbewegung – mit voller Überzeugung. Es ging um das Gleichgewicht der zwei Blöcke: West und Ost. Die Bedrohung war real, aber gleichzeitig abstrakt. Es stand nie zur Debatte, dass ein Land einfach überfallen wird.

Heute sieht das anders aus. Putins Angriff auf die Ukraine hat mein Denken grundlegend erschüttert. Ich glaube nicht mehr, dass Frieden allein durch Dialog, Appelle oder Blumen möglich ist. Faschisten lassen sich nicht mit pazifistischen Gesten aufhalten.

Ich sehe diesen Krieg nicht mehr nur geopolitisch – er hat auch meine persönlichen Überzeugungen infrage gestellt. Hätte ich heute denselben Mut zur Kriegsdienstverweigerung wie damals? Ich bezweifle es. Mein Zivildienst war wichtig für mich, er hat mich geprägt. Aber heute denke ich: Wenn wir unsere Demokratie schützen wollen, brauchen wir auch die Bereitschaft, sie zu verteidigen – notfalls mit Waffen.

Ob das im Rahmen der NATO geschieht oder durch eine europäische Armee, darüber kann man diskutieren. Aber klar ist für mich: Wehrlosigkeit ist keine Option mehr.

Besonders erschreckend finde ich, wie sich ein Teil der sogenannten Friedensbewegung heute verhält. Viele von ihnen – etwa das BSW oder die AfD – zeigen mehr Sympathie für Putin als für die Opfer seines Krieges. Die AfD, diese Nazi-Partei, die den Nationalsozialismus verharmlost und alles andere ist als friedlich, stellt sich selbst als Verteidigerin des Friedens dar – dabei steht sie für Hass, Ausgrenzung und autoritäres Denken. Sie nennen es „Friedenspolitik“, aber in Wahrheit verteidigen sie autoritäre Regime.

Wir sehen in Echtzeit, wie schnell ein Land entdemokratisiert werden kann – siehe Trump. Wenn die Demokratie kippt, wird es sehr schwer, noch freiheitlich, links oder sozial zu träumen.

Glaub mir, es fällt mir nicht leicht, gegen mein altes Denken anzukämpfen. Ich habe viele Jahre geglaubt, dass es ohne Waffen, ohne Armeen geht. Aber ich glaube, es ist richtig, heute anders zu denken. Es ist keine Abkehr von meinen Idealen, sondern ein Versuch, sie an die Realität anzupassen.

Meine Veränderung ist für mich kein Verrat. Es ist das Ergebnis von Lebenserfahrung. Ich möchte nicht dogmatisch an etwas festhalten, das sich in der Realität nicht bewährt hat. Stattdessen versuche ich, weiterzudenken – auch wenn das bedeutet, alte Überzeugungen loszulassen.

Und trotzdem schlägt mein Herz links. Ich werde weiter für einen demokratischen Sozialismus eintreten – als Grundgerüst das Grundgesetz, oder, wenn man mutiger denkt, sogar in Richtung eines föderalen Syndikalismus mit dezentralen, selbstbestimmten Strukturen. Eine freie Gesellschaft braucht starke Verteidigung – aber auch eine soziale, gerechte und solidarische Vision für die Zeit nach dem Krieg.

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