Kategorie: Mein Blog

Gedanken, die sich nicht einordnen lassen – persönliche Texte aus dem Leben, spontan, ehrlich und menschlich.

  • Mein Körper ist eine Baustelle – aber meine Seele hat noch TÜV!

    Über schlaflose Nächte, Nervenschmerzen, die Liebe meines Lebens, Willy Brandt und die Kunst, trotzdem dankbar zu sein.

    Manchmal wache ich morgens auf und denke: Wer hat mich eigentlich heute Nacht durch die Waschmaschine geschleudert? Und warum ausgerechnet im Schleudergang bei 1.400 Umdrehungen?

    Mein Körper fühlt sich an, als hätte ich die Nacht auf einer Baustelle verbracht. Nur leider war ich nicht der Bauleiter, sondern das Material.

    Die Nervenschmerzen haben wieder einmal ihre eigene Party gefeiert. Ohne Einladung, ohne Rücksicht und selbstverständlich ohne vorher bei mir anzufragen.

    Manchmal frage ich mich, ob meine Nerven überhaupt wissen, dass nachts eigentlich Ruhezeit ist.

    Aber dann kommt etwas, das stärker ist als der Schmerz: Dankbarkeit.

    Ich darf aufstehen. Ich darf einen neuen Tag erleben. Und ich bin dem lieben Gott dankbar, dass er mich nach allem, was mein Körper schon durchgemacht hat, noch immer hier sein lässt.

    Vielleicht hat er ja gedacht: Den lassen wir noch ein bisschen unten auf der Erde. Der hat noch genug zu meckern!

    Und dann hat er mir auch noch Yasmin an die Seite gestellt.

    Eine wunderbare Frau, die mich liebt, mich manchmal erträgt und vermutlich längst Anspruch auf eine himmlische Geduldsmedaille hätte.

    Sie ist für mich Liebe, Halt, Zuhause und manchmal auch die freundliche Erinnerung daran, dass nicht jede meiner Ideen sofort umgesetzt werden muss.

    Wenn ich an all das denke, weiß ich: Ich habe trotz meiner gesundheitlichen Einschränkungen verdammt viel Glück gehabt.

    Deutschland sucht den Mecker-Weltmeister

    Natürlich mache auch ich gelegentlich bei unserer inoffiziellen deutschen Meisterschaft im Meckern mit.

    Und ich gebe zu: Manchmal bin ich durchaus medaillenverdächtig.

    Über die Politik, die Bürokratie, die Ungerechtigkeiten und darüber, dass man für manche Anträge gefühlt erst drei Formulare braucht, um das eigentliche Formular beantragen zu dürfen.

    Aber bei allem Gemecker vergesse ich eines nicht:

    Unsere Demokratie ist ein unglaubliches Geschenk. Und sie ist alles andere als selbstverständlich.

    Ich weiß, was dieser demokratische und soziale Rechtsstaat für mich bedeutet. Gerade als Mensch, der durch Krankheit plötzlich auf Unterstützung, Solidarität und gesellschaftliche Verantwortung angewiesen ist.

    Natürlich funktioniert nicht alles. Natürlich muss vieles verbessert werden. Und selbstverständlich darf man Regierungen kritisieren, auch laut und deutlich.

    Aber zwischen berechtigter Kritik und der Verachtung unserer Demokratie liegt ein gewaltiger Unterschied.

    Mein Vater, Willy Brandt und die politische DNA

    Mein Vater gehörte zu jener Generation, die nach dem Krieg dieses Land wieder aufgebaut und seine demokratische Entwicklung mitgetragen hat.

    Er wurde politisch von Willy Brandt geprägt. Von der Idee, dass Politik nicht nur den Mächtigen dienen darf, sondern gerade auch den Menschen, die jeden Morgen aufstehen, arbeiten, Familien versorgen und sich ein gutes Leben erhoffen.

    Von meinem Vater habe ich viel mitbekommen.

    Soziales Denken. Praktisches Handeln. Nicht lange herumreden, sondern selbst anpacken.

    Und vor allem die Überzeugung, dass man Verantwortung nicht einfach an andere abschieben darf.

    Ich nenne das meine politische DNA.

    Wobei ich gestehen muss: Die Gene fürs Meckern könnten ebenfalls von meinem Vater stammen. Wissenschaftlich ist das allerdings noch nicht abschließend geklärt.

    Schon als junger Kerl war mir der Umweltschutz wichtig. Das ist bis heute so geblieben.

    Für mich gehören soziale Gerechtigkeit, Demokratie und der Schutz unserer Lebensgrundlagen zusammen.

    Was nützt uns schließlich ein sozial gerechtes Land, wenn wir unseren Kindern und Enkeln einen kaputten Planeten hinterlassen?

    Zurück zu meiner persönlichen Großbaustelle

    Jetzt bin ich tatsächlich von meinen Nervenschmerzen über Yasmin und Willy Brandt bis zum Klimaschutz gekommen.

    Ein echter Allround-Beitrag!

    Aber so ist das Leben. Es hält sich schließlich auch nicht an eine ordentliche Tagesordnung.

    Zurück zu meinem Körper.

    Seit meinem Schlaganfall hat sich vieles verändert. Schmerzen, Einschränkungen, Erschöpfung und die Erkenntnis, dass manche Dinge nicht mehr so funktionieren wie früher.

    Und glauben soll bitte niemand, dass ich damit immer gelassen umgehen konnte.

    Es gab Zeiten voller Wut, Traurigkeit, Enttäuschung und Verzweiflung.

    Warum ich? Warum gerade jetzt? Warum funktioniert das nicht mehr?

    Und manchmal wollte ich meinen Körper am liebsten beim Hersteller reklamieren.

    Leider war die Garantie längst abgelaufen. Und Ersatzteile sind bei meinem Baujahr offenbar schwer zu bekommen.

    Zehn Jahre Arbeit an mir selbst

    Ich habe viele Rehakliniken kennengelernt. Ich habe Therapien gemacht und über zehn Jahre neuropsychologische Begleitung und Therapie erlebt.

    Das war kein Spaziergang.

    Ich hatte das große Glück, eine Therapeutin zu finden, mit der ich wirklich arbeiten konnte.

    Und ich meine bewusst: mit der ich arbeiten konnte.

    Denn eine gute Therapie ist keine Werkstatt, in der man seinen Kopf abgibt und ihn nach einer Stunde frisch repariert wieder abholt.

    Man muss selbst mitarbeiten.

    Man muss bereit sein, sich mit seinen Ängsten, Schwächen, Fehlern und Grenzen auseinanderzusetzen.

    Das braucht Mut.

    Es braucht Vernunft.

    Und vor allem braucht es Kritikfähigkeit.

    Auch die Fähigkeit, sich selbst einmal zu sagen: Vielleicht liege ich gerade falsch. Vielleicht muss ich etwas anders betrachten. Vielleicht muss ich lernen, mit Dingen zu leben, die ich nicht verändern kann.

    Das klingt einfacher, als es ist.

    Ich musste lernen, dass Akzeptanz nicht bedeutet, aufzugeben.

    Dass man nicht jeden Kampf gewinnen kann.

    Und dass ein Mensch nicht weniger wert ist, nur weil sein Körper nicht mehr alles mitmacht.

    Ich habe meinen Frieden nicht geschenkt bekommen

    Heute habe ich eine Art gefunden, mit meinen gesundheitlichen Baustellen zu leben.

    Nicht immer. Nicht jeden Tag. Und ganz bestimmt nicht jede Nacht.

    Es gibt weiterhin Tage, an denen die Schmerzen stärker sind als mein Optimismus.

    Aber ich habe gelernt, ihnen nicht auch noch mein ganzes Leben zu überlassen.

    Das war ein langer Weg, mit Rückschlägen, Tränen und manchmal auch ordentlich Selbstmitleid.

    Und ja, Selbstmitleid darf gelegentlich sein. Es sollte nur nicht dauerhaft die Geschäftsführung übernehmen.

    Ich bin dankbar für die Menschen, die mich auf diesem Weg begleitet haben. Für die Fachleute in den Rehakliniken, für meine Therapeutin, für meine Familie und ganz besonders für Yasmin.

    Und ein kleines bisschen bin ich inzwischen sogar stolz auf mich selbst.

    Nicht, weil ich alles geschafft hätte.

    Sondern weil ich immer wieder versucht habe, weiterzumachen.

    Mein Glaube braucht keinen Heiligenschein

    Ich bin Christ. Aber ganz bestimmt keiner mit einem Heiligenschein.

    Eher einer mit Ecken, Kanten, gelegentlich schlechter Laune und einer ziemlich großen Klappe.

    Mein Glaube bedeutet für mich nicht, dass Gott mir jeden Schmerz abnimmt.

    Und ich glaube auch nicht, dass man Krankheit einfach als göttliche Prüfung schönreden sollte.

    Mein Glaube gibt mir vielmehr Hoffnung, Orientierung und das Gefühl, dass mein Leben trotz aller Einschränkungen einen Sinn hat.

    Er erinnert mich daran, dankbar zu sein, solidarisch zu handeln und andere Menschen nicht nach ihrer Leistungsfähigkeit zu beurteilen.

    Denn Menschlichkeit beginnt dort, wo wir einander nicht nur danach bewerten, was jemand noch leisten kann.

    Und morgen früh?

    Vielleicht stehe ich morgen wieder auf und fühle mich wie ein alter Traktor, der bei minus zehn Grad gestartet werden soll.

    Vielleicht schmerzen die Nerven wieder.

    Vielleicht meckere ich schon vor dem Frühstück.

    Aber dann sehe ich Yasmin, denke an meinen Vater, an die Menschen, die mir geholfen haben, und an all das, was ich trotz meiner Einschränkungen noch erleben darf.

    Und dann sage ich dem lieben Gott wieder Danke.

    Nicht für die Schmerzen.

    Sondern für das Leben.

    Denn mein Körper mag eine Dauerbaustelle sein. Aber mein Herz schlägt noch, mein Kopf denkt noch, meine Stimme ist noch da und mein Humor hat glücklicherweise keinen Pflegegrad beantragt.

    Und solange das so ist, werde ich weiterleben, weiterlieben, weiterdenken, gelegentlich meckern und mich für eine menschlichere, sozialere und demokratische Welt einsetzen.

    Vielleicht etwas langsamer als früher.

    Aber ganz bestimmt nicht leiser.

    Udo Rauhut – udotopia

    P.S.: Sollte jemand zufällig eine Gebrauchsanweisung für meinen Körper finden, bitte bei mir melden. Besonders interessant wäre das Kapitel „Nervensystem nachts ausschalten“.

  • Soziale Gerechtigkeit braucht keine ideologischen Vormünder

    Über unsoziale Pflegepläne, friedlichen Protest, ideologische Vereinnahmung und die notwendige Abgrenzung gegen Antisemitismus – mit einer klaren Botschaft: keine Gewalt.

    Manchmal denke ich, die Welt ist verrückt geworden. Menschen gehen gegen soziale Ungerechtigkeit auf die Straße – und plötzlich scheint es vor allem um Palästina zu gehen. Da frage ich mich: Was hat das mit der konkreten Landespolitik zu tun? Und was hilft es Menschen hier, die ihre Miete kaum bezahlen können, auf Unterstützung in der Pflege warten oder mit einer kleinen Rente auskommen müssen?

    Natürlich endet Solidarität nicht an einer Landesgrenze. Das Leid der palästinensischen Bevölkerung darf uns ebenso wenig gleichgültig sein wie die Sicherheit der Menschen in Israel. Trotzdem muss eine Demonstration gegen soziale Missstände bei ihrem Anliegen bleiben können. Wer für einen starken Sozialstaat auf die Straße geht, muss sich dafür keinem außenpolitischen Glaubensbekenntnis unterwerfen.

    Pflegebedürftige brauchen Hilfe statt zusätzlicher Hürden

    Die Sozialpolitik der Regierung Merz halte ich in wesentlichen Punkten für falsch. Dazu gehören die verschärften Regeln der neuen Grundsicherung, die seit Juli 2026 schrittweise gelten. [1]

    Besonders unsozial finde ich die geplanten Einschnitte in der Pflegeversicherung. Der Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes sieht höhere Hürden für die Einstufung in die Pflegegrade 1 bis 3 vor. Außerdem sollen Menschen mit Pflegegrad 1 künftig keinen Anspruch auf das neue Sozialraumbudget haben, das den bisherigen Entlastungsbetrag ersetzt. Bereits anerkannte Pflegegrade sollen allerdings vor einer Herabstufung allein aufgrund der neuen Schwellenwerte geschützt bleiben. Wichtig ist: Das sind bislang Reformpläne, noch kein geltendes Gesetz. [2, 3]

    Beratung und Prävention sind sinnvoll. Aber eine Beratung putzt keine Wohnung, erledigt keinen Einkauf und ersetzt keine helfende Hand. Wer Unterstützung streicht, beseitigt den Hilfebedarf nicht, sondern verlagert die Belastung auf Pflegebedürftige und ihre Angehörigen.

    Genau darin liegt für mich der unsoziale Kern dieser Pläne. Eine solidarische Pflegepolitik muss rechtzeitig helfen, bevor Menschen und Familien unter ihrer Belastung zusammenbrechen.

    Gegen solche Vorhaben auf die Straße zu gehen, ist wichtig. Wohnungsnot, Pflegekrise und Armut haben zwar eine längere Vorgeschichte. Das entbindet die heutige Regierung aber nicht von ihrer Verantwortung.

    Gewalt und Plünderungen sind ein absolutes No-Go

    Für mich gehört zu jedem Protest eine klare Grenze: Gewalt, Plünderungen und blinde Zerstörungswut sind ein absolutes No-Go.

    Wer Menschen angreift, Geschäfte ausraubt, Autos anzündet oder Einrichtungen verwüstet, kann sich dafür auf kein politisches Anliegen berufen. Auch ein berechtigter Protest rechtfertigt solche Taten nicht.

    Die Verantwortlichen müssen mit konsequenter Strafverfolgung und empfindlichen, der Schwere ihrer Taten angemessenen Strafen rechnen. Der Rechtsstaat muss friedliche Demonstrationen schützen und gegen Gewalttäter entschlossen vorgehen. Politische Überzeugungen dürfen kein Freibrief für Straftaten sein – unabhängig davon, aus welcher Richtung sie kommen.

    Eine geplünderte Ladenkasse finanziert keine bessere Pflege. Ein brennendes Auto macht keine Wohnung bezahlbarer. Solche Taten treffen Menschen, gefährden Unbeteiligte und verdrängen die berechtigten Forderungen der friedlich Demonstrierenden aus der öffentlichen Aufmerksamkeit.

    Wer soziale Gerechtigkeit fordert, muss auch Verantwortung für sein eigenes Handeln übernehmen.

    Wenn andere das Anliegen übernehmen

    Was mich ebenfalls stört, ist die Vereinnahmung offener Proteste durch Gruppen mit einem ausgeprägten ideologischen Führungsanspruch. Menschen kommen wegen eines konkreten Problems zusammen – und sollen plötzlich ein ganzes Weltbild übernehmen.

    Das erinnert mich an Erfahrungen aus den Achtzigerjahren. Ich bewegte mich damals im Umfeld undogmatischer Linker und anarchosyndikalistischer Zusammenhänge. Nach meiner Erinnerung begegneten uns auch antiimperialistische Aktivisten aus Stuttgart, die sehr genau zu wissen glaubten, welche politische Linie alle anderen zu vertreten hätten.

    Wir wollten besetzte Häuser bewohnbar machen, gemeinsam etwas aufbauen und konkrete Lebensbedingungen verbessern. Stattdessen landeten wir nach meiner Erinnerung immer wieder in Grundsatzdebatten über Palästina oder Forderungen nach der Freilassung inhaftierter RAF-Mitglieder.

    Ich empfand das als Bevormundung. Wir versuchten, solchen Vereinnahmungen entgegenzutreten. Andere ließen sich von diesen Gruppen überzeugen und schlossen sich ihnen an.

    Das ist meine persönliche Erinnerung, keine vollständige Geschichte der damaligen Bewegung. Aber sie erklärt, warum ich heute aufmerksam werde, wenn kleine, fest organisierte Gruppen versuchen, offenen Initiativen ihre politische Richtung vorzugeben.

    Dabei muss man die Begriffe auseinanderhalten: Antiimperialistische, trotzkistische und RAF-nahe Strömungen sind nicht dasselbe. Für Teile trotzkistischer Organisationen ist allerdings die Strategie des „Entrismus“ dokumentiert: Sie arbeiten gezielt in anderen Organisationen mit, um dort Einfluss auf die politische Ausrichtung zu gewinnen. Daraus folgt weder, dass jede Mitarbeit eine Unterwanderung ist, noch dass sämtliche Palästina-Gruppen so funktionieren. [4]

    Meine Kritik richtet sich gegen ein bestimmtes Verhalten: Wer andere Anliegen nur als Bühne für die eigene Organisation benutzt und allen Beteiligten seine Linie aufzwingen will, schwächt eine offene, demokratische Protestkultur.

    Was bedeutet „Free Palestine“ konkret?

    Wer „Free Palestine“ ruft, sollte erklären können, welche Freiheit gemeint ist.

    Für mich bedeutet ein freies Palästina: demokratische Wahlen, Meinungsfreiheit, unabhängige Gerichte, gleiche Rechte für Frauen, Schutz religiöser Minderheiten und ein Leben ohne Angst für queere Menschen. Dazu gehört ebenso die Sicherheit der israelischen Nachbarn.

    Eine islamistische Diktatur wäre keine Befreiung. Der Iran zeigt, wie ein religiös autoritäres Regime Menschen unterdrückt. Amnesty International dokumentiert dort schwere Einschränkungen der Meinungsfreiheit sowie systematische Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen und Minderheiten. [5]

    Das heißt ausdrücklich nicht, dass alle Menschen, die sich für Palästina einsetzen, eine solche Herrschaft wollen. Gerade deshalb sollte eine demokratische Solidaritätsbewegung ihre Maßstäbe deutlich aussprechen. Wer Menschenrechte fordert, muss sie auch gegenüber der Hamas und anderen autoritären Kräften verteidigen.

    Palästinenserinnen und Palästinenser haben ein Recht auf Freiheit, Sicherheit und politische Selbstbestimmung. Israelis haben dieses Recht genauso. Eine glaubwürdige Friedensperspektive muss beides zusammenbringen.

    Antisemitismus verschwindet nicht unter einer roten Fahne

    Wenn ich heutige Debatten in der Linksjugend [’solid] und Teilen der Partei Die Linke verfolge, erkenne ich Denkmuster wieder, die mich schon früher abgestoßen haben: die Aufteilung der Welt in angeblich ausschließlich gute Unterdrückte und ausschließlich böse Unterdrücker, verbunden mit einer besonderen Fixierung auf Israel.

    Ein konkreter Anlass für meine Kritik ist der Beschluss der Linksjugend „Nie wieder zu einem Völkermord schweigen!“. Darin wird dem israelischen Staatsprojekt grundsätzlich ein kolonialer und rassistischer Charakter zugeschrieben. Diese pauschale Betrachtung halte ich für problematisch, weil sie die Geschichte jüdischer Verfolgung und das Bedürfnis nach einem sicheren Zufluchtsort aus meiner Sicht nicht ausreichend berücksichtigt. Das ist meine Bewertung dieses Beschlusses – kein Urteil über jedes einzelne Mitglied. [6]

    Zur Wahrheit gehört auch: Innerhalb der Linken gibt es Widerspruch gegen solche Entwicklungen. Die Parteivorsitzenden kritisierten im März 2026 den niedersächsischen Beschluss zum Antizionismus deutlich und wandten sich gegen die Verwendung von „Zionist“ als Schimpfwort oder Feindmarkierung. Die Partei ist in dieser Frage also kein einheitlicher Block. [7]

    Trotzdem bleibt das Problem bestehen. Antisemitismus in Teilen der Linken ist weder eine Erfindung politischer Gegner noch eine neue Erscheinung. Seine Geschichte und seine Verbindung mit bestimmten Formen des Antiimperialismus sind seit Langem dokumentiert. Dafür brauchte es die AfD nicht. [8]

    Der notwendige Kampf gegen rechten Antisemitismus darf niemals zum Vorwand werden, ihn im eigenen politischen Umfeld zu übersehen. Eine rote Fahne, ein antifaschistischer Aufkleber oder die richtige Selbstbeschreibung machen niemanden automatisch frei von Vorurteilen.

    Kritik an der israelischen Regierung muss möglich sein, auch scharfe Kritik. Die Grenze ist dort überschritten, wo Jüdinnen und Juden kollektiv verantwortlich gemacht, bedroht oder ausgegrenzt werden. Ebenso wenig darf die palästinensische Bevölkerung pauschal mit der Hamas gleichgesetzt werden.

    Gemeinsam für einen solidarischen Sozialstaat

    Ich wünsche mir eine soziale Bewegung, in der Menschen gemeinsam für bezahlbares Wohnen, gute Pflege, faire Löhne und soziale Sicherheit kämpfen können. Eine Bewegung, die diskutieren kann, ohne Andersdenkende niederzubrüllen. Die sich gegen Antisemitismus ebenso klar stellt wie gegen Rassismus und die Gewalt und Plünderungen unmissverständlich zurückweist.

    Internationale Solidarität und der Einsatz gegen soziale Missstände hier können zusammengehören. Dafür braucht es nachvollziehbare Zusammenhänge, gegenseitigen Respekt und die Freiheit, unterschiedliche Schwerpunkte zu setzen.

    Soziale Gerechtigkeit braucht offene Augen, demokratische Überzeugungen und praktische Solidarität. Ideologische Vormünder braucht sie nicht. Und ganz klar: keine Gewalt!

    Liebe Grüße Udo Rauhut


    KI-generiertes Symbolbild.

    Quellen und Faktenprüfung

    Stand: 2. November 2026. Persönliche Erinnerungen an die Achtzigerjahre sind als solche gekennzeichnet; für die konkreten Erlebnisse mit Stuttgarter Gruppen liegt kein unabhängiger Beleg vor. Politische Wertungen sind Meinungsäußerungen. Die Pflegereform wird als Entwurf beschrieben.

    [1] Bundesregierung: Neue Grundsicherung löst Bürgergeld ab.
    https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/neue-grundsicherung-2399562

    [2] Bundesgesundheitsministerium: FAQ zum Pflegeneuordnungsgesetz.
    https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/gesetze-und-verordnungen/guv-21-lp/pnog

    [3] Stiftung Warentest: Pflegereform – höhere Hürden für Pflegegrade ab 2027.
    https://www.test.de/Pflegereform-5999460-0/

    [4] Bundeszentrale für politische Bildung: Das trotzkistische Spektrum im Linksextremismus.
    https://www.bpb.de/themen/linksextremismus/dossier-linksextremismus/33618/das-trotzkistische-spektrum-im-linksextremismus/

    [5] Amnesty International: Iran – aktuelle Lage und Menschenrechte.
    https://www.amnesty.de/informieren/laender/iran

    [6] Linksjugend [’solid]: Nie wieder zu einem Völkermord schweigen!
    https://www.linksjugend-solid.de/beschluss/nie-wieder-zu-einem-voelkermord-schweigen/

    [7] Die Linke: Debatte um Nahost verlangt besondere Verantwortung, 20. März 2026.
    https://www.die-linke.de/detail/news/debatte-um-nahost-verlangt-besondere-verantwortung/

    [8] Bundeszentrale für politische Bildung: Antisemitismus im linken Spektrum.
    https://www.bpb.de/themen/antisemitismus/dossier-antisemitismus/was-heisst-antisemitismus/307887/antisemitismus-im-linken-spektrum/

  • Vom Träumer zum Realisten? – Wie sich mein Denken verändert hat

    Wenn ich auf meine Haltung in den 80er-Jahren zurückblicke, merke ich, wie sehr sich meine Sicht auf die Welt verändert hat. Damals war ich Teil der Friedensbewegung – mit voller Überzeugung. Es ging um das Gleichgewicht der zwei Blöcke: West und Ost. Die Bedrohung war real, aber gleichzeitig abstrakt. Es stand nie zur Debatte, dass ein Land einfach überfallen wird.

    Heute sieht das anders aus. Putins Angriff auf die Ukraine hat mein Denken grundlegend erschüttert. Ich glaube nicht mehr, dass Frieden allein durch Dialog, Appelle oder Blumen möglich ist. Faschisten lassen sich nicht mit pazifistischen Gesten aufhalten.

    Ich sehe diesen Krieg nicht mehr nur geopolitisch – er hat auch meine persönlichen Überzeugungen infrage gestellt. Hätte ich heute denselben Mut zur Kriegsdienstverweigerung wie damals? Ich bezweifle es. Mein Zivildienst war wichtig für mich, er hat mich geprägt. Aber heute denke ich: Wenn wir unsere Demokratie schützen wollen, brauchen wir auch die Bereitschaft, sie zu verteidigen – notfalls mit Waffen.

    Ob das im Rahmen der NATO geschieht oder durch eine europäische Armee, darüber kann man diskutieren. Aber klar ist für mich: Wehrlosigkeit ist keine Option mehr.

    Besonders erschreckend finde ich, wie sich ein Teil der sogenannten Friedensbewegung heute verhält. Viele von ihnen – etwa das BSW oder die AfD – zeigen mehr Sympathie für Putin als für die Opfer seines Krieges. Die AfD, diese Nazi-Partei, die den Nationalsozialismus verharmlost und alles andere ist als friedlich, stellt sich selbst als Verteidigerin des Friedens dar – dabei steht sie für Hass, Ausgrenzung und autoritäres Denken. Sie nennen es „Friedenspolitik“, aber in Wahrheit verteidigen sie autoritäre Regime.

    Wir sehen in Echtzeit, wie schnell ein Land entdemokratisiert werden kann – siehe Trump. Wenn die Demokratie kippt, wird es sehr schwer, noch freiheitlich, links oder sozial zu träumen.

    Glaub mir, es fällt mir nicht leicht, gegen mein altes Denken anzukämpfen. Ich habe viele Jahre geglaubt, dass es ohne Waffen, ohne Armeen geht. Aber ich glaube, es ist richtig, heute anders zu denken. Es ist keine Abkehr von meinen Idealen, sondern ein Versuch, sie an die Realität anzupassen.

    Meine Veränderung ist für mich kein Verrat. Es ist das Ergebnis von Lebenserfahrung. Ich möchte nicht dogmatisch an etwas festhalten, das sich in der Realität nicht bewährt hat. Stattdessen versuche ich, weiterzudenken – auch wenn das bedeutet, alte Überzeugungen loszulassen.

    Und trotzdem schlägt mein Herz links. Ich werde weiter für einen demokratischen Sozialismus eintreten – als Grundgerüst das Grundgesetz, oder, wenn man mutiger denkt, sogar in Richtung eines föderalen Syndikalismus mit dezentralen, selbstbestimmten Strukturen. Eine freie Gesellschaft braucht starke Verteidigung – aber auch eine soziale, gerechte und solidarische Vision für die Zeit nach dem Krieg.rkunden Sie inspirierende Geschichten und Experteneinblicke.

  • Der Tod ist immer am Leben vorbei

    Der Tod ist immer am Leben vorbei – Ein Plädoyer für das Hier und Jetzt

    Das Leben ist endlich. Eine banale Erkenntnis, die doch viele verdrängen. Wir hetzen durch den Alltag, lassen uns von Routinen und Sorgen auffressen und vergessen dabei oft, dass jeder Moment zählt. Doch am Ende, wenn der letzte Atemzug getan ist, wird klar: Der Tod ist immer am Leben vorbei. Er holt uns, aber er erlebt nichts. Wir aber können – bis zur letzten Minute.

    Leben genießen – bewusst und mit Verantwortung

    Genießen heißt nicht, blind konsumieren oder rücksichtslos leben. Es bedeutet, den Moment zu schätzen, bewusst zu handeln und Spuren zu hinterlassen, die nicht nur für uns selbst Bedeutung haben, sondern auch für kommende Generationen. Der Kampf gegen die Klimakrise ist genau das: Verantwortung übernehmen, damit auch andere nach uns noch eine lebenswerte Welt vorfinden.

    Die Klimakiller, die unsere Erde ausbeuten, lassen sich nicht mit Gleichgültigkeit besiegen. Wer sich zurücklehnt und sagt: „Was kann ich schon tun?“, hat schon verloren. Jeder Schritt zählt, jeder Einsatz, jede Veränderung im Denken und Handeln.

    Populismus darf niemals gewinnen

    Während wir für den Erhalt unseres Planeten kämpfen, dürfen wir eine weitere Gefahr nicht übersehen: den Populismus. Er verspricht einfache Lösungen für komplexe Probleme, spielt mit Ängsten und spaltet Gesellschaften. Wer ihnen nachgibt, verliert nicht nur seine eigene Stimme, sondern riskiert, dass unsere demokratischen Werte untergehen. Deshalb gilt: Hinschauen, laut sein, wählen gehen, Haltung zeigen.

    Denn das Leben ist zu kurz, um es denen zu überlassen, die es zerstören.

    „Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden. Es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.“ – Johann Wolfgang von Goethe

  • Mein VdK Rückzug

    Mein Rückzug aus dem VdK KV Waiblingen: Eine Frage der Werte

    Diese Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen. Seit Jahren habe ich mich im Sozialverband VdK, Kreisverband Waiblingen, engagiert – mit Herzblut und voller Überzeugung. Doch nun ziehe ich mich zurück. Was nach außen vielleicht wie ein plötzlicher Schnitt wirkt, ist in Wahrheit das Resultat eines langen inneren Ringens. Ich habe gründlich reflektiert und abgewogen. Am Ende steht die bittere Erkenntnis: Ich kann und will unter den gegebenen Umständen nicht länger Teil dieses Vorstands sein.

    Wachsende Differenzen im Vorstand

    Der Auslöser für meinen Entschluss waren zunehmende Differenzen innerhalb des Vorstands. Was einst als konstruktive Zusammenarbeit begann, verwandelte sich nach und nach in ein Spannungsfeld gegensätzlicher Auffassungen. Gerade in sozialen und politischen Fragen traten tiefe Gräben zutage. Wir hatten nicht mehr dieselben Werte. Immer öfter saß ich in Sitzungen und fragte mich: Reden wir noch über dasselbe Verständnis von Solidarität, Gerechtigkeit und Menschlichkeit?

    Besonders deutlich wurde mir das in einer kleinen Vierer-Gruppe innerhalb des Vorstands, die ursprünglich dazu diente, wichtige Themen zu besprechen und die Richtung vorzugeben. Diese Gruppe war lange eine enge Steuerungseinheit – eine Art Kernteam. Doch in den letzten Treffen spürte ich, dass wir uns immer weiter voneinander entfernten. Um eine Eskalation zu vermeiden, habe ich geschwiegen. Das war vielleicht mein größter Fehler. Ich habe mich zurückgenommen, gehofft, dass sich die Dinge von selbst klären, dass Einsicht kommt – doch das Gegenteil war der Fall. Ich hätte den Mut haben müssen, früher klare Worte zu finden. Dass ich das nicht getan habe, mache ich mir selbst zum Vorwurf.

    Ein besonders einschneidender Moment war die Reaktion in unserer Vierer-WhatsApp-Gruppe. Als ich schließlich deutlich machte, dass ich mit dem eingeschlagenen Kurs nicht mehr mitgehen kann, kam als Antwort nur ein lapidares „Sorry Udo.“ Kein Gesprächsangebot, keine ernsthafte Auseinandersetzung mit meinen Beweggründen – nur diese eine nichtssagende Floskel. Dieser Moment hat mir endgültig gezeigt, dass meine Stimme nicht mehr zählt. Wenn eine Gruppe, die einst auf Vertrauen und gemeinsamer Arbeit basierte, so gleichgültig auf fundamentale Differenzen reagiert, dann gibt es keinen gemeinsamen Weg mehr.

    Unvereinbare Werte: Kein Platz für Rassismus

    Besonders schwer wog für mich, dass ich rassistische und menschenfeindliche Tendenzen im Verband beobachten musste. Was ich da hörte und erlebte, war mit meinen Überzeugungen absolut unvereinbar. Für mich ist klar: In einem Sozialverband, der sich dem Wohl aller Menschen verpflichtet fühlt, darf kein Platz für Fremdenhass, Ausgrenzung oder Herabwürdigung sein. Doch genau solche Tendenzen schlugen mir entgegen – teils unverhohlen, teils subtil zwischen den Zeilen. Es begann bei abfälligen Bemerkungen und endete bei Aussagen, die mich fassungslos machten.

    Ich hätte mir gewünscht, dass über diese Entwicklungen ein offener Diskurs möglich gewesen wäre. Doch gerade mit einer Kollegin war eine sachliche Auseinandersetzung unmöglich. Ihre rechthaberische Art ließ kaum Raum für andere Sichtweisen, und oft hatte ich das Gefühl, dass sie gar nicht an einer wirklichen Debatte interessiert war. Ein echter Austausch war nicht mehr möglich. Jede kritische Nachfrage wurde als Angriff gewertet, jede andere Meinung abgeblockt. In einem solchen Umfeld kann man keine Lösungen finden – und genau das hat meine Entscheidung, zu gehen, letztlich besiegelt.

    Der Bruch mit der CDU: Als mir meine Ideale wieder bewusst wurden

    Schon vorher gab es Momente, in denen ich spürte, dass ich mich nicht mehr auf dem richtigen Weg befand. Ein Schlüsselerlebnis war das Treffen im Landtag mit Gehring. Ich habe bewusst eine Ausrede gesucht, um nicht teilnehmen zu müssen, weil ich bereits zu diesem Zeitpunkt tief in mir wusste: Das ist nicht mehr mein Weg. Ich wollte mir nicht eingestehen, dass ich mich in eine Richtung bewegt hatte, die nicht mehr zu mir passte.

    Dann kam der Anruf aus Urbach. Der Ton, der mir entgegenschlug, war unverschämt, respektlos und herablassend. Ich war fassungslos, dass mir gegenüber in dieser Art gesprochen wurde. Ich habe in meinem Leben viel erlebt, aber dieser Moment hat in mir endgültig etwas gebrochen. Ich wusste, dass ich mir das nicht länger antun wollte.

    Doch der endgültige Wendepunkt war der „Schwarze Mittwoch“, als Friedrich Merz die Brandmauer zur AfD eingerissen hat. In diesem Moment wurde mir schlagartig bewusst, wie weit ich mich von meinen eigenen Werten entfernt hatte. Ich hatte es lange verdrängt, mich angepasst, vielleicht sogar geglaubt, dass ich mich mit konservativen Positionen arrangieren könnte. Aber in diesem Moment war es, als würde mir jemand den Spiegel vorhalten: Will ich wirklich in einem Umfeld bleiben, das sich zunehmend mit rechten Positionen arrangiert?

    Und dann traf mich die wohl unangenehmste Erkenntnis: Ich hatte mich in den letzten Jahren selbst verändert – oder zumindest hatte ich es zugelassen, dass es nach außen so aussah. Ich hatte mich CDU-nah gezeigt, hatte meine eigentliche Haltung verwässert, hatte vielleicht geglaubt, Kompromisse eingehen zu müssen. Heute sehe ich das als eine der größten Peinlichkeiten meines Lebens. Ich habe mich verbogen, mich angepasst, vielleicht sogar gehofft, dass ich irgendwie einen Platz finde in einer Umgebung, die eigentlich nicht die meine war. Doch mein Herz schlägt links – und das war immer so. Ich hätte nie versuchen dürfen, das zu verdrängen.

    Am darauffolgenden Sonntag im Gottesdienst fiel die endgültige Entscheidung. Während ich dort saß und nachdachte, wurde mir mit einer Klarheit bewusst, die ich lange nicht mehr gespürt hatte: Ich kann nicht bleiben. Ich will nicht bleiben. Ich werde nicht bleiben. Ich habe mein Leben lang für soziale Gerechtigkeit gekämpft, und ich werde nicht zulassen, dass meine Werte verwässert oder verraten werden.

    Neuer Weg: Zurück zum DGB – Engagement auf der Straße

    Ich kehre zurück zu meinen Wurzeln. Zurück zum DGB, zurück auf die Straße, um gegen soziale Ungerechtigkeit und rechte Hetze zu kämpfen. Dort, wo man Flagge zeigt für Toleranz und Menschenwürde, will ich mit anpacken. Es fühlt sich beinahe wie Heimkommen an – zurück zu einer Form des Engagements, die direkt und unverfälscht ist.

    Den VdK werde ich dennoch aus der Ferne beobachten. Ich nehme mir das Recht heraus, ihn zu loben, wenn er sich für seine eigentlichen Werte einsetzt – aber auch, ihn zu kritisieren, wenn er sich von diesen entfernt.

    Eins steht für mich fest: Dieser Kreisverband passt nicht mehr zu mir – und ich nicht mehr zu ihm. Mein Herz schlägt links. Meine Werte sind nicht verhandelbar. Und deshalb war dieser Schritt notwendig. Geschichten und Experteneinblicke.

    Dieser Abschnitt hebt den Zweck des Blogs hervor, indem er fesselnde Geschichten, Expertenmeinungen und wertvolle Erkenntnisse bietet, damit Leser lernen und wachsen können.

  • Über meine Blog Wahrnehmung

    Manchmal fühlt es sich an, als würde die Welt in einem Meer aus Lärm und Belanglosigkeit versinken. Stimmen erheben sich, nicht um zu verstehen, sondern um sich selbst zu hören. Worte verlieren ihre Bedeutung, weil sie nicht mehr aus dem Innersten kommen, sondern nur noch als Hüllen dienen – leere, hohle Konstrukte ohne Substanz.

    Es ist ein seltsames Gefühl, wenn man beginnt, sich von diesen Geräuschen zu distanzieren. Plötzlich wird das eigene Denken klarer, schärfer, fast unangenehm ehrlich. Was bleibt, ist die Essenz der eigenen Empfindungen, die sich nicht mehr im Echo der Masse verlieren. Es ist nicht der einfache Weg, aber vielleicht der einzige, der sich wahrhaftig anfühlt.

    Gleichzeitig spürt man die Ablehnung, die Unverständnis hervorruft. Wer nicht mit dem Strom schwimmt, wird oft als Störenfried betrachtet, als jemand, der nicht ins Bild passt. Doch genau in diesem Anderssein liegt eine Kraft, die viele fürchten. Sie bringt Unruhe in das wohlgeordnete System, in dem viele sich so behaglich eingerichtet haben. Dabei geht es nicht um Rebellion um der Rebellion willen, sondern um Ehrlichkeit gegenüber sich selbst und gegenüber der Welt.

    Es ist hier im Blog meine Wahrnehmung, die wenig Namen hat.

    Wer sich von diesen Gedanken angegriffen fühlt, sollte sich fragen, warum. Manchmal ist es einfacher, in Wut zu verfallen, anstatt sich mit den eigenen Unsicherheiten auseinanderzusetzen. Doch wer den Mut aufbringt, tiefer zu schauen, könnte darin eine Gelegenheit zur Reflexion finden.

    Der Jenige, der mit Ungeheuern kämpft, mag zusehen, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.“ – Friedrich Nietzsche

  • Kann man an Gott glauben und trotzdem links sein? War Jesus ein Freak – vielleicht sogar ein Sozialist?

    Kann man an Gott glauben und trotzdem links sein?
    War Jesus ein Freak – vielleicht sogar ein Sozialist?

    Diese Fragen lassen mich nicht los. Vielleicht, weil sie etwas berühren, das tief in uns steckt: der Wunsch, zu glauben – und zugleich der Drang, zu hinterfragen. Oft begegnet mir die Vorstellung, man müsse sich entscheiden: entweder man glaubt, oder man denkt kritisch. Entweder man hält sich an die Bibel – oder an gesellschaftliche Veränderung. Als wäre das eine das Gegenteil vom anderen.

    Aber stimmt das?

    Wenn ich auf Jesus schaue, sehe ich keinen frommen Angepassten. Ich sehe jemanden, der aneckt. Der Fragen stellt, wo andere Antworten haben. Der nicht schweigt, wo Unrecht geschieht. Der sich auf die Seite derer stellt, die sonst niemand sieht. Die Armen, die Kranken, die Gescheiterten. Jesus war nicht bequem – er war unbequem. Für die Mächtigen, für die Reichen, für die Selbstgerechten. Er hat das System hinterfragt – und das mit einer radikalen Liebe, die bis heute irritiert.

    War er ein Freak? Vielleicht. Er hat jedenfalls nicht so gelebt, wie man es von einem „Messias“ erwartet hätte. Kein Palast, kein Reichtum, keine Machtspiele. Dafür Geschichten von verlorenen Schafen und vom Teilen von Brot. Vom letzten Platz, der der erste sein soll. Und von einem Reich Gottes, das nicht auf Gewalt oder Ausgrenzung baut, sondern auf Gerechtigkeit und Barmherzigkeit.

    War er ein Sozialist? Das Wort passt historisch nicht. Aber die Idee, dass Besitz verpflichtet, dass Macht Verantwortung bedeutet, dass alle Menschen denselben Wert haben – sie klingt in seinen Worten immer wieder an. Und wer sich heute links nennt, weil er oder sie für eine gerechtere, solidarischere Welt eintritt, der kann in Jesus durchaus einen Verbündeten sehen.

    Glaube und eine linke Haltung schließen sich nicht aus. Im Gegenteil. Glaube kann motivieren, nicht aufzugeben. Nicht gleichgültig zu werden. Hoffnung zu behalten, auch wenn sie verrückt erscheint. Vielleicht war Jesus genau deshalb so radikal – weil er geglaubt hat, dass eine andere Welt möglich ist.

    Und vielleicht ist es das, was uns heute fehlt: dieser Glaube an das Mögliche – gegen alle Widerstände.

  • Sozialverbände müssen politisch sein – alles andere wäre Verrat an ihren Werten

    Ein Sozialverband darf nicht nur politisch sein – er muss es sogar. Das liegt schon im Begriff „Verband“. Wer Menschen zusammenbringt, um soziale Anliegen zu vertreten, betreibt automatisch auch Verbandspolitik. Es geht darum, für die Interessen aller Mitglieder einzustehen – unabhängig von Religion, Herkunft oder Hautfarbe.

    Sozialpolitik endet nicht an der Tür der Beratungsstelle. Sie fängt dort erst richtig an. Wenn Sozialkürzungen drohen, wenn Menschen an den Rand gedrängt werden, wenn Menschenwürde und Teilhabe unter Druck geraten, muss ein Sozialverband laut werden. Und zwar unmissverständlich. Wer hier schweigt oder sich „neutral“ gibt, macht sich zum Komplizen einer Politik der sozialen Spaltung.

    Ich meine damit jeden Sozialverband, ganz egal wie groß oder klein. Das ist meine ganz persönliche Erfahrung – und auch meine Empfindung. Es schmerzt zu sehen, wenn ein Verband seine Stimme nicht erhebt oder sich aus Angst vor Kritik zurückhält. Gerade dann, wenn Menschen Hilfe brauchen, muss ein Verband Haltung zeigen. Und zwar öffentlich, politisch und solidarisch.

    Besonders gefährlich wird es, wenn Funktionsträger von Sozialverbänden demokratische Grundwerte untergraben. Wer populistischen Parolen verfällt oder menschenfeindliche Inhalte verbreitet, hat im Ehrenamt eines Sozialverbandes nichts verloren. Das ist nicht nur ein Verstoß gegen die Werte der Solidarität – es bewegt sich gefährlich nahe an der Grenze zur Volksverhetzung.

    Auch sogenannte „private“ oder „nicht-öffentliche“ Chats bieten keinen Freifahrtschein für Hetze. Wer dort falsche Zahlen über Geflüchtete verbreitet oder in einem harmlos wirkenden Urlaubs-Chat abfällige Bemerkungen wie „Die kriegen bei uns alles in den Hintern gesteckt“ macht, missbraucht sein Amt. Solche Aussagen sind nicht nur sozial zynisch – sie sind menschenverachtend und sollten Konsequenzen haben. Menschen, die so handeln, gehören nicht an die Spitze eines Orts- oder Kreisverbands.

    Demokratie lebt vom Respekt – vor Fakten, vor Mitmenschen, vor der Würde des Einzelnen. Wer bewusst falsche Zahlen nutzt, um Stimmung zu machen, verletzt nicht nur Menschenrechte, sondern auch den Auftrag eines jeden Sozialverbands.

    Deshalb: Ja, ein Sozialverband muss politisch sein. Denn wer sich aus der politischen Verantwortung stiehlt, verrät all jene, die er eigentlich schützen will.

  • Fakten statt Propaganda – auch dann, wenn mir die Botschaft gefällt

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    Manche Videos sind so gemacht, dass sie uns sofort packen. Große Überschriften, dramatische Musik und die Botschaft: Jetzt ist etwas Entscheidendes geschehen. Wenn es um Russland und die Ukraine geht, merke ich, wie leicht auch ich für Nachrichten empfänglich bin, die meine Hoffnung bestätigen.

    Ich wünsche mir, dass die Ukraine ihre Freiheit verteidigen kann. Ich wünsche mir, dass russische Propaganda weniger Menschen erreicht. Aber aus einem Wunsch wird noch keine überprüfte Nachricht.

    Deshalb habe ich mir angewöhnt, bei spektakulären Behauptungen genauer hinzusehen. Wer meldet ein Ereignis? Gibt es eine nachvollziehbare Quelle? Wird ein tatsächlicher Schaden beschrieben oder sofort eine riesige Schlussfolgerung gezogen? Und lässt sich das an anderer Stelle unabhängig bestätigen?

    Besonders vorsichtig werde ich, wenn aus einem einzelnen Video gleich der Zusammenbruch eines ganzen Systems abgeleitet wird. Eine brennende Anlage, ein technischer Ausfall und die Zahl erreichbarer Nutzer sind unterschiedliche Dinge. Auch weniger aggressive Kommentare unter einem eigenen Beitrag beweisen für sich genommen nicht, was im Hintergrund passiert ist.

    Das bedeutet nicht, jeder Nachricht grundsätzlich zu misstrauen. Es bedeutet, Unsicherheit auszuhalten und zwischen einer Behauptung und ihrem Nachweis zu unterscheiden. Manchmal ist die ehrlichste Aussage: Ich weiß es noch nicht.

    Auch künstliche Intelligenz macht diese Haltung wichtiger. Ein überzeugendes Bild oder eine flüssige Stimme sagt wenig darüber aus, ob ein Inhalt stimmt. Ich möchte deshalb nicht nur nach der Machart fragen, sondern nach der belegbaren Grundlage.

    Meine Solidarität mit der Ukraine hängt nicht an einer besonders spektakulären Meldung. Sie beruht auf dem Recht der Menschen, frei und sicher über ihr eigenes Leben zu entscheiden. Dieser Haltung schadet es nicht, eine ungesicherte Behauptung nicht weiterzutragen. Sie wird dadurch glaubwürdiger.

    Faktenprüfung ist für mich kein Zeichen mangelnder Solidarität. Sie gehört zu einer Solidarität, die Verantwortung übernimmt.

    udotopia – Meine kunterbunte Welt

  • Gleiche Maßstäbe – auch für die CDU

    Wer in der Politik moralische Maßstäbe setzt, muss bereit sein, sich selbst an ihnen messen zu lassen. Das gilt für jede Partei. Und es gilt auch für die CDU, wenn sie von anderen eine klare Haltung gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus verlangt.

    Ich finde es richtig, Menschenfeindlichkeit deutlich zu benennen. Mich stört, wenn dabei der Eindruck entsteht, es gehe vor allem darum, dem politischen Gegner etwas nachzuweisen. Demokratische Glaubwürdigkeit wächst nicht dadurch, dass man die Fehler anderer möglichst laut beschreibt und die eigenen Fragen möglichst leise behandelt.

    Für mich gehört dazu eine verlässliche Abgrenzung zur AfD. Sie muss sich im politischen Alltag zeigen, in der Sprache und bei Entscheidungen. Eine Brandmauer ist kein dekoratives Wort für Sonntagsreden. Sie bedeutet, Verantwortung für die demokratische Kultur zu übernehmen.

    Ebenso erwarte ich einen respektvollen Umgang mit der Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus. Gedenken darf kein Mittel werden, um anderen Parteien eins auszuwischen. Die Menschen, an die erinnert wird, stehen im Mittelpunkt.

    Das entlastet weder Die Linke noch irgendeine andere Partei von ihrer eigenen Verantwortung. Im Gegenteil: Gleiche Maßstäbe bedeuten gerade, dass wir keine bequemen Ausnahmen für das eigene Lager zulassen. Antisemitismus, Rassismus und andere Formen der Menschenfeindlichkeit verdienen überall Widerspruch.

    Ich wünsche mir eine politische Auseinandersetzung, die außerdem wieder stärker über konkrete Lösungen spricht. Wie schaffen wir bezahlbare Wohnungen? Wie finanzieren wir gute Pflege? Wie verbinden wir Klimaschutz mit sozialer Sicherheit? Wie stärken wir die Kommunen und das Vertrauen in einen funktionierenden Staat?

    Wer demokratische Haltung glaubwürdig vertreten will, sollte diese Aufgaben nicht gegen den Kampf gegen Rechts ausspielen. Beides gehört zusammen: klare Grenzen gegenüber Menschenfeindlichkeit und eine Politik, die den Menschen im Alltag hilft.

    Daran messe ich die CDU. Und daran messe ich auch die Parteien, denen ich inhaltlich näherstehe.

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