Eine Begegnung, die mich nicht mehr loslässt – eine ukrainische Krankenschwester erzählt

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Manchmal sind es die Begegnungen, die nur wenige Minuten dauern und einen trotzdem tagelang beschäftigen.Gestern war ich in der Radiologie. Eine CT-Untersuchung meines Darms stand an. Nichts Besonderes eigentlich. Krankenhausalltag eben. Doch dann begegnete ich einer Krankenschwester, deren Geschichte mich tief berührt hat.Sie bereitete gerade die Untersuchung vor und legte mir den Zugang für das Kontrastmittel. Ich sagte zu ihr: „Das machen Sie wirklich gut.“Sie lächelte und antwortete: „Wir in der Ukraine haben auch etwas gelernt. Aber diese Arbeit wollen die Deutschen ja nicht mehr machen.“Ich musste erst einmal schlucken. Und ehrlich gesagt konnte ich ihr nicht widersprechen.Wir kamen ins Gespräch.Sie erzählte mir, dass sie in Deutschland arbeitet, um Geld für ihre Familie zu verdienen. Vier Monate ist sie hier, die übrige Zeit arbeitet sie in der Ukraine. In einem Lazarett nahe der Front. Fast ohne Bezahlung.Dann erzählte sie von ihrem Mann.Er ist im Krieg gefallen.Ich war für einen Moment sprachlos. Mehr als mein aufrichtiges Beileid konnte ich kaum ausdrücken.Doch sie sagte mit einer bemerkenswerten Entschlossenheit: „Er hat unser Land verteidigt. Das ist gut.“Sie sprach auch über ihre Angst. Die Angst vor den russischen Soldaten, vor der Zerstörung ihres Hauses, vor dem Verlust ihrer Heimat.Und vor allem davor, dass Russland den Menschen ihre Kultur und ihre mühsam erkämpfte Freiheit wieder nehmen könnte.Was bedeutet Freiheit eigentlich?Während ich dort auf meine Untersuchung wartete, wurde mir wieder einmal bewusst, wie selbstverständlich wir in Deutschland vieles nehmen.Wir diskutieren über Politik, streiten über Parteien und beklagen uns über unseren Alltag.Diese Frau dagegen lebt zwischen zwei Welten.Hier arbeitet sie, um ihre Familie zu ernähren. In ihrer Heimat versorgt sie Verwundete in einem Krieg, der ihr bereits den Ehemann genommen hat.Und trotzdem gibt sie nicht auf.Mich hat diese Begegnung auch deshalb so bewegt, weil ich immer wieder Menschen höre, die behaupten, die Ukraine solle doch einfach aufgeben, Gebiete abtreten und endlich Frieden schließen.Aber was bedeutet ein solcher Frieden für Menschen wie diese Krankenschwester?Frieden ohne Freiheit? Frieden unter der Herrschaft eines Staates, vor dem sie Angst hat?Wer sind wir eigentlich, dass wir diesen Menschen erklären wollen, wie viel Freiheit sie aufgeben sollen?Solidarität darf nicht bei schönen Worten enden.Ich bin überzeugt: Die Ukraine braucht weiterhin unsere Unterstützung. Humanitär, politisch und auch bei ihrer Verteidigung.Denn hinter jeder Nachricht über diesen Krieg stehen Menschen. Menschen mit Familien, Hoffnungen, Ängsten und Träumen.Menschen wie diese Krankenschwester.Als ich die Radiologie verließ, nahm ich mehr mit als nur eine medizinische Untersuchung.Ich nahm eine Geschichte mit, die mich noch lange beschäftigen wird.Und vielleicht sollten wir alle manchmal etwas weniger laut über die Ukraine reden und dafür den Menschen aus der Ukraine genauer zuhören.Denn Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit. Für manche Menschen kostet sie alles.udotopia – Meine kunterbunte Welt

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