Was ist nur los mit dieser Welt? Wenn Politik nur noch brüllt

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Was ist nur los mit dieser Welt? Manchmal habe ich den Eindruck, die politische Auseinandersetzung sei zu einem Wettbewerb geworden: Wer kann lauter brüllen, härter zuspitzen und den nächsten Gegner noch ein bisschen verächtlicher machen?

Die Verrohung der Sprache beschäftigt mich schon lange. Besonders erschreckend finde ich, wenn inzwischen auch Menschen und Parteien diesen Ton übernehmen, von denen ich mir eigentlich eine andere politische Kultur erhofft hatte. Eine soziale Haltung zeigt sich für mich auch darin, wie man miteinander spricht.

Natürlich darf Politik leidenschaftlich sein. Ich will keine Debatten, in denen alle brav lächeln und niemand mehr widerspricht. Ich habe selbst oft gestritten, als Betriebsrat, als Gewerkschafter und als politisch engagierter Mensch. Aber zwischen einer klaren Auseinandersetzung und einer persönlichen Herabsetzung liegt ein Unterschied.

Wenn aus komplexen Fragen nur noch griffige Parolen werden, geht etwas verloren. Beim Wohnungsbau reicht es nicht, pauschal alle Investoren zum Gegner zu erklären. Wir müssen unterscheiden: Wer übernimmt soziale und ökologische Verantwortung? Wer baut bezahlbar und langfristig? Und wo braucht es klare öffentliche Regeln, damit aus Wohnraum kein bloßes Spekulationsobjekt wird?

Auch eine staatliche Lösung ist nicht allein deshalb gut, weil sie staatlich ist. Sie muss vernünftig finanziert, demokratisch kontrolliert und praktisch umsetzbar sein. Das gilt für private Modelle ebenso. Menschen brauchen Wohnungen, keine ideologischen Glaubenskriege.

Dasselbe erwarte ich beim Klimaschutz, in der Sozialpolitik und im Kampf gegen Antisemitismus. Die Aufgaben werden nicht kleiner, wenn wir ihre Zusammenhänge wegbrüllen. Und demokratischer Streit wird nicht besser, wenn der politische Gegner nur noch als schlechter Mensch vorkommt.

Vielleicht bin ich inzwischen empfindlicher geworden. Vielleicht weiß ich nach Krankheit und manchen Rückschlägen einfach genauer, wie kostbar unsere begrenzte Kraft ist. Ich möchte sie jedenfalls nicht in einer Welt verlieren, in der Lautstärke mehr zählt als Inhalt.

Klare Worte? Unbedingt. Eine klare Haltung gegen Rechts? Für mich selbstverständlich. Aber bitte mit Argumenten, Respekt und dem Willen, tatsächlich etwas zu verbessern. Unsere Demokratie braucht keine Sieger im Dauerpöbeln. Sie braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen.

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