
Sozialverbände müssen politisch sein – alles andere wäre Verrat an ihren Werten

Ein Sozialverband darf nicht nur politisch sein – er muss es sogar. Das liegt schon im Begriff „Verband“. Wer Menschen zusammenbringt, um soziale Anliegen zu vertreten, betreibt automatisch auch Verbandspolitik. Es geht darum, für die Interessen aller Mitglieder einzustehen – unabhängig von Religion, Herkunft oder Hautfarbe.
Sozialpolitik endet nicht an der Tür der Beratungsstelle. Sie fängt dort erst richtig an. Wenn Sozialkürzungen drohen, wenn Menschen an den Rand gedrängt werden, wenn Menschenwürde und Teilhabe unter Druck geraten, muss ein Sozialverband laut werden. Und zwar unmissverständlich. Wer hier schweigt oder sich „neutral“ gibt, macht sich zum Komplizen einer Politik der sozialen Spaltung.
Ich meine damit jeden Sozialverband, ganz egal wie groß oder klein. Das ist meine ganz persönliche Erfahrung – und auch meine Empfindung. Es schmerzt zu sehen, wenn ein Verband seine Stimme nicht erhebt oder sich aus Angst vor Kritik zurückhält. Gerade dann, wenn Menschen Hilfe brauchen, muss ein Verband Haltung zeigen. Und zwar öffentlich, politisch und solidarisch.
Besonders gefährlich wird es, wenn Funktionsträger von Sozialverbänden demokratische Grundwerte untergraben. Wer populistischen Parolen verfällt oder menschenfeindliche Inhalte verbreitet, hat im Ehrenamt eines Sozialverbandes nichts verloren. Das ist nicht nur ein Verstoß gegen die Werte der Solidarität – es bewegt sich gefährlich nahe an der Grenze zur Volksverhetzung.
Auch sogenannte „private“ oder „nicht-öffentliche“ Chats bieten keinen Freifahrtschein für Hetze. Wer dort falsche Zahlen über Geflüchtete verbreitet oder in einem harmlos wirkenden Urlaubs-Chat abfällige Bemerkungen wie „Die kriegen bei uns alles in den Hintern gesteckt“ macht, missbraucht sein Amt. Solche Aussagen sind nicht nur sozial zynisch – sie sind menschenverachtend und sollten Konsequenzen haben. Menschen, die so handeln, gehören nicht an die Spitze eines Orts- oder Kreisverbands.
Demokratie lebt vom Respekt – vor Fakten, vor Mitmenschen, vor der Würde des Einzelnen. Wer bewusst falsche Zahlen nutzt, um Stimmung zu machen, verletzt nicht nur Menschenrechte, sondern auch den Auftrag eines jeden Sozialverbands.
Deshalb: Ja, ein Sozialverband muss politisch sein. Denn wer sich aus der politischen Verantwortung stiehlt, verrät all jene, die er eigentlich schützen will.
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